AFAIR



DEKOLONIALES DENKZEICHEN
Eine überdimensionale Tragtasche aus Marmor steht vor dem Gebäude von Berlin Global Village, beschriftet mit dem Werknamen AFAIR. Eine alltägliche Papiertragtasche, gefüllt mit irgend etwas Alltäglichem, ist das Behältnis unseres Wohlstandes, der auf koloniale Machtverhältnisse aufgebaut ist. In postkolonialem Rahmen geht es weiter. Das Werk provoziert eine Auseinandersetzung in Bezug auf das Bewusstsein der Machtverhältnisse, des Vergessens und Verdrängens und der Verantwortung. In unserer Zeit der Schnelllebigkeit werden gerne harte Realitäten ausgeblendet, verdeckt von schönen Etiketten, um zu konsumieren und zu genießen.
Mit der Skulptur AFAIR soll der Betrachter bewusst irritiert werden, um eine thematische Auseinandersetzung zu bewirken. Er soll sich erinnern, auf welchen Säulen der Wohlstand steht. Er soll die Dringlichkeit einer Veränderung der bisherigen Struktur spüren und forcieren. Die Größenverhältnisse sind nicht naturgetreu. Die Überdimensionalität der Tragtasche weist auf die unausgeglichenen Machtverhältnisse hin. Der Werkname AFAIR impliziert die Wörter Affäre und Fair, die auf die kolonialen Verhältnisse anspielen. Das Akronym AFAIR (As Far As I Remember) vermittelt das Spektrum des Erinnerns und des Vergessens.
Der gedankliche Interpretationsbogen ist weit und absichtlich offengelassen. Eine philosophische Arbeit. Der Stein als Materialwahl strahlt eine Beständigkeit aus, die den Betrachter im transitorischen Umfeld erdet. Die Ambivalenz zwischen dem Material und dem ursprünglichen Papiersack stimuliert ein Nachdenken über konventionelle Abläufe.
Material: Carrara-Marmor
Masse: H x B x T / ca. 300 x 220 x 200 cm